40 % Regenwahrscheinlichkeit beziehen sich auf den Vorhersageort und den angegebenen Zeitraum. Sie bedeuten weder, dass 40 % deiner Motorradroute nass werden, noch, dass es während 40 % der Fahrzeit regnet. Der Deutsche Wetterdienst erläutert diese Unterscheidung.
Auch der US National Weather Service erklärt diese Definition für einen Ort und Zeitraum.
Für deine Planung ist die nächste Frage entscheidend: Wo bin ich in diesem Zeitraum, und was würde Regen dort an meinem Plan ändern?
Was der Prozentwert bedeutet
Suche zuerst den Zeitraum, auf den sich die Zahl bezieht. Eine Tagesvorhersage, ein Sechsstundenwert und eine stündliche Angabe beschreiben unterschiedliche Zeitfenster. Vergleiche ihre Prozentwerte nicht so, als gälten sie für dieselbe Stunde.
Lies auch die Definition des Anbieters. Die Niederschlagsmenge, ab der ein Ereignis gezählt wird, kann je nach Vorhersageprodukt unterschiedlich sein. Der NWS verwendet beispielsweise mindestens 0,01 Zoll Niederschlag. Dieser Schwellenwert gehört zu seiner Prognose; gehe nicht davon aus, dass jede App ihn verwendet. Der DWD unterscheidet in seiner verlinkten ISABEL-Dokumentation zwischen Wahrscheinlichkeiten für unterschiedliche Mengenschwellen. Der Prozentwert allein verrät weder den Beginn noch die Dauer oder Stärke des Regens.
Das erklärt auch, warum eine Regenwahrscheinlichkeit neben einem Sonnensymbol stehen kann. Das Symbol fasst das erwartete Wetter zusammen, während die Wahrscheinlichkeit Angaben zur Niederschlagschance ergänzt. Das Met Office empfiehlt, beides gemeinsam zu lesen. Schau deshalb auch auf den Begleittext. Wenn eine Darstellung Fragen offenlässt, suche die Erläuterung des Dienstes, statt aus einem einzelnen Symbol eine Zusage für die ganze Tour abzuleiten.
Wahrscheinlichkeit, Menge und Intensität beantworten verschiedene Fragen
Achte beim Öffnen der Vorhersage auf drei Angaben:
- Wahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich ist Niederschlag in diesem Zeitraum?
- Menge: Wie viel Niederschlag wird insgesamt für das angegebene Intervall erwartet?
- Intensität: Wie schnell soll er fallen, sofern die Vorhersage das ausweist?
Die Einheit hilft bei der Einordnung. Millimeter über sechs Stunden sind etwas anderes als Millimeter pro Stunde. Dieselbe Gesamtmenge in einem kurzen Schauer oder verteilt über mehrere Stunden beschreibt verschiedene Situationen. Prüfe, ob eine Mengenangabe die vorherige Stunde, die folgende Stunde oder ein längeres Intervall umfasst.
Überlege dann, was für die Fahrt wichtig ist. Ein längerer nasser Abschnitt kann deine Kleiderwahl verändern. Ein kurzer kräftiger Schauer kann den Zeitpunkt einer offenen Querung infrage stellen. Keine dieser Entscheidungen ergibt sich allein aus dem Prozentwert.
Es gibt keine Regenwahrscheinlichkeit oder Niederschlagsmenge, die für jeden Fahrer automatisch akzeptabel ist. Sicht, Temperatur, Straßenverhältnisse, Erfahrung und Ausweichmöglichkeiten gehören ebenfalls zur Entscheidung.
Ein Beispiel für eine Vormittagstour
Stell dir folgenden Ablauf vor. Die Zahlen dienen nur als Planungsbeispiel und sind keine aktuelle Vorhersage:
- Du fährst um 09:00 Uhr los.
- Einen Ort auf der Route erreichst du voraussichtlich um 10:30 Uhr.
- Dort beträgt die Regenwahrscheinlichkeit für 09:00 bis 12:00 Uhr 40 %.
- Zusätzlich werden 1 mm Niederschlag für diese drei Stunden angezeigt.
Deine Ankunft fällt in den Zeitraum, deshalb ist die Angabe relevant. Sie legt aber nicht fest, ob es um genau 10:30 Uhr regnet oder wie viel Regen dich persönlich trifft. Suche nach genauerer zeitlicher Auflösung, lies den Wetterbericht und prüfe amtliche Warnungen.
Kommt vor diesem Ort eine einstündige Kaffeepause dazu, verschiebt sich deine Ankunft auf 11:30 Uhr. Dauert die Pause noch länger, brauchst du möglicherweise das nächste Vorhersageintervall. Der Wettercheck bleibt nur dann nützlich, wenn sein Zeitplan zur tatsächlichen Tour passt.
MotoMeteos Streckenwetter ordnet Wetterpunkte den geschätzten Ankunftszeiten zu. Plane bei langen Pausen getrennte Abschnitte mit passenden Abfahrtszeiten. Ein durchgehend berechneter Fahrtverlauf sollte nicht als Zeitplan inklusive aller Pausen verstanden werden.
Warum sich die Werte nicht addieren lassen
Drei Streckenpunkte mit jeweils 40 % ergeben keine Regenwahrscheinlichkeit von 120 %. Auch ihr Durchschnitt sagt nicht, dass du auf der gesamten Fahrt mit 40 % Wahrscheinlichkeit nass wirst.
Die Ereignisse können zusammenhängen: Dasselbe Regenband könnte alle drei Punkte betreffen. Eine Wahrscheinlichkeit für die ganze Route müsste diese Zusammenhänge und die jeweiligen Ankunftszeiten berücksichtigen. Die einzelnen Prozentwerte liefern diese Berechnung nicht.
Nutze die Punkte, um Abschnitte für einen genaueren Blick zu finden. Mach daraus keine selbst errechnete Zusage für eine trockene Tour.
Von der Vorhersage zur Entscheidung
Beantworte vor der Abfahrt diese Fragen:
- Betreffen amtliche Warnungen oder Sperrungen die Route?
- Welche Regenzeiträume überschneiden sich mit meinen Ankunftszeiten?
- Ist passende Regenkleidung rechtzeitig erreichbar?
- Würde eine andere Abfahrt die gesamte Fahrt sinnvoll verbessern?
- Wo kann ich die Tour verkürzen oder sicher unterbrechen?
Um den Zeitplan zu ändern, nutze unseren Leitfaden zur Wahl der Abfahrtszeit passend zum Regen. Prüfe Wind und Böen zusätzlich: Eine geringere Regenwahrscheinlichkeit beantwortet diese Frage nicht.
Aktualisiere die Vorhersage kurz vor der Abfahrt und lies unterwegs nur im sicheren Stand nach. Prozentwerte helfen beim Vorbereiten; aktuelle Verhältnisse und amtliche Hinweise bestimmen, ob der Plan weiterhin passt.