Prüfe vor einer Motorradtour im Regenradar, wo zuletzt Niederschlag erfasst wurde und wie er sich zu deiner Route bewegt. Lies die Bildzeit, starte die Animation und vergleiche die Regengebiete mit deinen voraussichtlichen Aufenthaltsorten. Ein einzelnes Bild beantwortet nicht, ob die ganze Tour trocken bleibt.
Das Radar ergänzt die stündliche Routenvorhersage. Es hilft besonders dann, wenn ein nahes Regenband den nächsten Streckenabschnitt erreicht oder du die Abfahrt noch einmal überdenken möchtest.
Kartenebene und Zeit prüfen
Kläre zuerst, was die Karte darstellt. Das Met Office unterscheidet gemessenen Radarniederschlag von Modellvorhersagen. Ein Bild für einen zukünftigen Zeitpunkt ist eine Prognose, auch wenn es in derselben Animation wie vergangene Beobachtungen erscheint.
Prüfe vor den Farben vier Angaben:
- Bildzeit: Für welchen Zeitpunkt gilt das Bild? Das Öffnen der Seite macht eine ältere Aufnahme nicht aktuell.
- Zeitzone: Zeigt die Karte Ortszeit oder UTC? Verwende für den Vergleich dieselbe Zeit wie in deinem Tourenplan.
- Position im Zeitverlauf: Siehst du die neueste Beobachtung, ein älteres Bild oder eine Vorhersage?
- Legende: Steht die Farbe für Regenintensität, eine aufsummierte Menge oder etwas anderes? Lies die Einheit; Rot bedeutet nicht in jedem Produkt dasselbe.
Ist das letzte Bild unerwartet alt oder meldet die Karte fehlende Daten, sind leere Flächen kein Beleg für trockenes Wetter.
Die Bewegung im Verlauf ansehen
Zoome so weit heraus, dass die Tour und heranziehende Regengebiete sichtbar sind. Schau mehrere aktuelle Bilder hintereinander an. In welche Richtung zieht das Band? Wird es breiter? Entstehen dahinter weitere Schauer?
Vergleiche dann zwei Bewegungen: den Regen und dein Motorrad. Ein Regenband kann den Startort bereits verlassen haben und später trotzdem deine Strecke kreuzen. Fährst du in dieselbe Richtung, bleibst du möglicherweise in seiner Nähe. Eine andere Straße kann den Begegnungspunkt lediglich verschieben.
Formuliere daraus eine Frage an die Vorhersage: „Ist der östliche Abschnitt voraussichtlich frei, wenn ich dort ankomme?“ Leite keine minutengenaue Ankunft des Regens ab, indem du einen Fleck gedanklich über die Karte schiebst. Das Met Office erläutert, warum die genaue Entstehung örtlichen Starkregens schwierig vorherzusagen ist.
Was eine Radarlücke nicht zeigt
Berge können die Radarsicht abschirmen. Mit wachsender Entfernung erfasst der Radarstrahl außerdem höhere Luftschichten; tiefer Niederschlag kann dadurch unentdeckt bleiben. Der US-Wetterdienst erklärt diese Messgrenzen.
Eine freie Fläche ist auch keine Kontrolle der Fahrbahn. Sie zeigt weder verbliebenes Wasser noch Schlamm, Entwässerungsprobleme oder Pfützen. Eine schwache Regenfarbe verrät nicht, wie viel Haftung eine bestimmte Kurve bietet. Prüfe Warnungen und Straßeninformationen gesondert und beachte unterwegs die tatsächlichen Verhältnisse.
Die Unterschiede zwischen Regenintensität, Menge und Wahrscheinlichkeit erklären wir im Beitrag zur Regenwahrscheinlichkeit bei Motorradtouren.
Ein Beispiel für die Abfahrtsplanung
Stell dir eine zweistündige Fahrt nach Osten mit einem Café auf halber Strecke vor. Die Zeiten sind ein Planungsbeispiel, keine aktuelle Vorhersage.
- Um 08:40 Uhr siehst du die Radarbilder von 08:00 bis 08:35 Uhr an. Ein Regenband zieht über deinen Startort nach Osten.
- Geplant waren die Abfahrt um 09:00 Uhr und die Ankunft am Café gegen 10:00 Uhr. Das Café liegt noch vor dem Regenband.
- Eine Abfahrt um 09:30 Uhr könnte den Start verbessern. Jetzt zählt aber auch das Wetter weiter östlich gegen 10:30 Uhr.
- Prüfe die Vorhersage für diesen Abschnitt, aktualisiere das Radar vor der Abfahrt und berücksichtige die Cafépause bei der Rückfahrt am Nachmittag.
Zeigen neue Bilder weitere Schauer hinter dem Band, passt der ursprüngliche Plan „kurz warten, dann ist es vorbei“ möglicherweise nicht mehr. Verkürze die Tour, prüfe eine andere Route oder verschiebe die Fahrt. Versuche nicht, eine schmale vermeintliche Lücke durch schnelleres Fahren zu erwischen.
Der letzte Check vor der Abfahrt
Bevor du das Handy wegsteckst, solltest du die letzte Bildzeit kennen, den kritischen Streckenabschnitt benennen können und einen geeigneten Halt zum erneuten Prüfen haben. Verstaue Regenkleidung so, dass sie vor dem nassen Abschnitt erreichbar ist.
Nutze das Radar eines Wetterdienstes zusammen mit den Routenvorhersagen von MotoMeteo, um aktuelle Beobachtungen und die erwarteten Bedingungen zu deinen Ankunftszeiten zu vergleichen. Prüfe Aktualisierungen nur im sicheren Stand. Unser Leitfaden zur Wetterprüfung entlang der Motorradroute hilft bei der Auswahl sinnvoller Prüfpunkte.